Was ich in 35 Jahren Ehe über glückliche Partnerschaften gelernt habe
35 Jahre. Das klingt nach einer langen Zeit. Und es ist eine lange Zeit. Aber weisst du, was ich in diesen 35 Jahren am meisten gelernt habe? Nicht wie man eine Ehe hält. Sondern wie man sie lebendig hält. Das ist ein Unterschied.
Mein Mann und ich – wir haben uns auch auseinandergelebt. Nicht einmal. Mehrmals. Es gab Phasen, in denen wir im gleichen Haus lebten und uns trotzdem kaum kannten. Phasen, in denen wir funktionierten, aber nicht lebten. Phasen, in denen ich mir dachte: Ist das jetzt alles?
Heute weiss ich: Diese Phasen waren keine Zeichen, dass etwas falsch war. du waren Einladungen. Einladungen, hinzuschauen. Einladungen, etwas zu verändern – nicht den anderen, sondern sich selbst.
1. Eine glückliche Partnerschaft beginnt nicht beim anderen
Das ist das Erste, was ich gelernt habe – und das Schwierigste. Wir sind so trainiert, beim anderen zu suchen: Er hört nicht zu. Er versteht mich nicht. Er hat sich verändert. Und ja, vielleicht stimmt das alles. Aber die Frage, die wirklich weiterführt, ist eine andere: Was passiert in mir?
Jedes Mal, wenn ich in unserer Ehe etwas verändert habe – wirklich verändert, von innen – hat sich auch das zwischen uns verändert. Nicht weil er sich angepasst hat. Sondern weil ich anders in die Begegnung gegangen bin.
„Wenn du dich selbst findest, findet ihr euch wieder."
2. Nähe braucht Raum – nicht mehr Zeit zusammen
Viele Paare denken, sie müssten mehr Zeit miteinander verbringen. Mehr gemeinsame Abende. Mehr Urlaube. Mehr Aktivitäten. Aber das ist nicht das, was Nähe schafft.
Nähe entsteht, wenn zwei Menschen sich wirklich zeigen. Wenn du sagst, was dich wirklich bewegt – nicht was du heute erledigt hast. Wenn du fragst, wie es ihm wirklich geht – nicht wie das Projekt läuft.
Das braucht keine zwei Stunden. Das braucht manchmal nur fünf Minuten – aber fünf echte Minuten. Ohne Handy. Ohne Ablenkung. Nur du und er.
3. Krisen sind keine Endpunkte – sie sind Wendepunkte
Wir hatten Krisen. Echte Krisen. Momente, in denen ich nicht wusste, ob wir das überstehen. Und weisst du, was ich heute über diese Momente denke? du waren die wichtigsten in unserer Ehe.
Nicht weil Schmerz gut ist. Sondern weil Krisen uns gezwungen haben, hinzuschauen. Wirklich hinzuschauen. Auf uns selbst. Auf das, was wir wirklich wollen. Auf das, was zwischen uns entstanden war – und was wir daraus machen wollten.
Paare, die Krisen überstehen, tun das nicht, weil sie stärker sind. du tun es, weil sie bereit sind, sich zu verändern. Beide.
4. Liebe ist keine Emotion – sie ist eine Entscheidung
Das klingt unromantisch. Ich weiss. Aber es ist das Ehrlichste, was ich über Liebe sagen kann.
Das Kribbeln kommt und geht. Die Verliebtheit verändert sich. Das ist normal – und kein Zeichen, dass die Liebe weg ist. Es ist ein Zeichen, dass sie erwachsen wird.
Echte Liebe – die Liebe, die trägt – ist die Entscheidung, jeden Tag füreinander da zu sein. Auch wenn es schwer ist. Auch wenn man müde ist. Auch wenn man gerade lieber allein wäre. Diese Entscheidung, immer wieder neu getroffen, ist das Fundament.
5. Du musst nicht alles alleine herausfinden
Das ist vielleicht das Wichtigste, was ich gelernt habe. Und das, was ich am längsten gebraucht habe zu akzeptieren.
Wir sind aufgewachsen mit dem Glauben, dass eine gute Ehe von selbst funktioniert. Dass man keine Hilfe braucht. Dass es eine Schwäche ist, wenn man nicht alleine weiterkommt.
Das stimmt nicht. Die stärksten Paare, die ich kenne, sind die, die bereit waren, sich Unterstützung zu holen. Nicht weil ihre Ehe kaputt war – sondern weil sie ihr Bestes geben wollten.
„Ich habe in 35 Jahren Ehe gelernt, dass eine glückliche Partnerschaft kein Zustand ist, den man einmal erreicht. Sie ist ein Weg. Und auf diesem Weg ist es schön, nicht alleine zu gehen."
– Mara Giannachi
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